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HENRY BIENEK
Engelswut
Mittlerweile glühten die abgerissenen Flügel Imoras in einem so grellen
Licht, daß sogar die tumbesten Dämonen, die gerade noch die letzten Scryar
getötet hatten und sich jetzt wieder der Front der Salbäer zuwandten,
aufblickten.
Das Licht, war das Letzte, was sie zu sehen bekamen.
Für einen Augenblick blieb die Zeit stehen.
Die Salbäer rissen ungläubig die Augen und die Münder auf, als sie begriffen,
was der Erzengel plante. Sie wußten, dass sie verloren waren. Trotzdem
versuchten viele noch zu entkommen, drehten sich um und rannten direkt auf die
Malboraner zu.
Die anderen schienen einfach zu resignieren und sahen Borege nur verständnislos
an. Er, der sie beschützen sollte, würde ihr Mörder werden.
Auch die Malboraner begriffen jetzt, dass Boreges Aktion ihnen nicht nützen
würde, und mehrere Handvoll der riesigen Dämonenäxte waren auf dem Weg zu
ihm.
Sie würden ihn nicht mehr erreichen.
In einer letzten Willensanstrengung richtete der Erzengel seine eigenen,
weißglühenden Flügel auf und streckte sie nach Osten und Westen, während
seine Arme die abgerissen Flügel Imoras in die verbliebenen zwei
Himmelsrichtungen hielten.
Dann schickte er eine energetische Vernichtungswelle über die Ebene.
Eine Welle, die vor nichts halt machte, weder Freund noch Feind kannte, sondern
nur den Tod.
Die nahestehenden Salbäer verglühten sofort zu Asche.
Die weiter entfernt Stehenden wurden von Lichtlanzen durchbohrt, die sie in
Flammen setzten. Auch ihr Tod währte nur Sekunden.
Vom Schrei des sterbenden Engels begleitet schlug die Welle wie die
sprichwörtliche Faust Gottes in das Dämonenheer. Wie zuvor die Scryar - nur
ungleich stärker - brach sie durch die dichtgedrängten Reihen und zerstörte
alles auf ihrem Weg.
Das Todesgebrüll der zu Schlacke brennenden Dämonen war fast lauter als das
Donnern der Welle selbst.
In alle vier Himmelsrichtungen brach sich die Welle ihre Bahn und verbrannte
alles auf ihrem Weg. Mehr noch, es floß wie Lava in jede Ritze, jede Erdspalte
und suchte sich seinen Weg, bis es alles ausgefüllt -
...alles verbrannt hatte.
Innerhalb einer Minute wurde aus einer blühenden Landschaft, um die eben noch
die Parteien der Himmel und Hölle gekämpft hatten, ein toter, für beide
Seiten unwirtlicher Flecken.
Der Einzige nicht verbrannte Platz war der Hügel auf dem Borege stand, der
mittlerweile zusammengebrochen war.
Dunkles Blut drängte durch seine Poren, während er voller Schmerz zitterte. Er
wußte, dass er bereits so gut wie tot war.
Seine Seele würde nirgendwo Aufnahme finden. Sie würde ewig über diesen toten
Flecken wandern und sich voller Schmerz daran erinnern, wen er alles verloren
hatte und wer für seine Tat hatte sterben müssen.
Aber das war ihm egal.
Alles war ihm egal.
Wichtig war nur, dass die Dämonen nicht noch eine Heimat für ihre dunklen
Rituale und ihre Knechtschaft bekamen. Sc'wa'koun würde kein Tummelplatz der
Dämonen werden.
Nicht so wie andere Welten.
(Nicht so wie die Erde!)
Ohja, er würde leiden. Doch er hätte auch gelitten, wenn er ohne Imora
zurückgekehrt wäre. Sein Leben hätte so oder so keinen Sinn mehr gehabt.
Ein Lächeln stahl sich auf sein blutverschmiertes Gesicht, während er den
letzten Satz seines Lebens von sich hauchte:
"Das...
...ist...
...das -
ENDE

WEITER
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