„Was?„ Hans glaubte seinen Ohren kaum, was er da hörte. „Sie sind ja wohl total bescheuert. Was haben Sie mit ihm gemacht?„
„Nur das, was Sie auch vorhatten, mit ihm zu tun. Ich habe Ihn umgebracht.„
Hans zog seine Waffe aus der Jackentasche hervor, entsicherte sie und zielte auf den Verrückten. „Kommen Sie mir keinen Schritt näher oder ich erschieße Sie!„
„Versuchen Sie es nur,„ sagte dieser und ging mit dem Teller in der Hand auf Hans zu.
„Ich warne Sie! Kommen Sie mir nicht näher!„ schrie dieser nun, aber seine Worte stießen auf taube Ohren, denn der Verrückte kam weiterhin auf ihn zugelaufen.
Voller Angst drückte Hans ab. Doch die Kugel traf nicht sein Gegenüber, sondern die Holzwand hinter diesem.
„Sehn Sie, es hat keinen Sinn. Sie können mich nicht töten, ich bin schon tot.„
Hans ließ seine Waffe fallen, als er von einem Schlag des Verrückten erfaßt wurde und zu Boden ging. Er konnte nicht mehr aufstehen, nein, vielmehr konnte er sich nicht mehr bewegen. Der Verrückte, oder besser gesagt der Geist, nahm Alois' Leber in die Hand und stopfte sie dem wehrlosen Hans in den Mund. Dieser erbrach sie, kurz nachdem er sie verschluckt hatte, wieder.
„Was ist los? Schmeckt Ihnen mein Mahl nicht? Das ist aber schade. Lassen Sie mich nun erklären. Um meine Strafe endlich loszuwerden, muß ich einige Verbrecher in die Hölle schicken. Ihr Freund ist schon dort, und Sie werden ihm bald folgen.„
„Halt, nein, warten Sie! Reicht der Tod von Alois denn nicht aus, um Sie zu erlösen.„
„Nein, leider nicht. Ich muß dazu mindestens drei Verbrecher töten.„
„Nein, nein, lassen Sie mich am Leben,„ winselte Hans.
„Nun ja, ich könnte Sie am Leben lassen, aber Sie müßten mir etwas geben.„ Der Geist überlegte. „Ja, genau, geben Sie mir Ihre Uhr. Die gefällt mir nämlich sehr.„
Hans nahm die Uhr von seinem Handgelenk und gab sie der ruhelosen Seele. „Hier nehmen Sie! Diese Uhr ist unbezahlbar. Ich habe sie selbst gefertigt.„
„Ich weiß,„ antwortete der Geist und nahm die Uhr an sich. „Ach ja, Ihre Waffe werde ich auch behalten. Und nun verschwinden Sie von hier und kommen Sie nie wieder an einem Wintertag hierher.„
Hans stand auf und verließ die Hütte. Er flüchtete über die Weide mit den grasenden Kühen in den Bergwald, von wo aus er sich an den Abstieg durch den Schnee machte.

Es war wieder Frühling und der Schnee war geschmolzen, als Hans' Türklingel betätigt wurde. Hans öffnete die Tür und sah Inge, Alois' Ehefrau, vor sich.
„Hallo, Inge!„ begrüßte er sie.
„Die Gendarmerie hat seine Leiche gefunden.„
„Wessen Leiche?„ fragte Hans und eine seltsame Vermutung stieg in ihm auf.
„Die Leiche meines Mannes. Er wurde in der Hütte ermordet, erschossen mit einer Waffe, wie du sie besitzt.„
„Solche Waffen gibt es Tausende. Das hat nichts zu sagen.„
„Stimmt, aber die Gendarmerie hat eine Uhr gefunden, deine Uhr. Du hast ihn umgebracht.„
„Halt, warte, nein, das stimmt nicht, aber ich weiß, wer es war.„
„Da bin ich aber gespannt. Wer war es denn?„
„Hör mal, du wirst mir das nicht glauben, aber es ist wahr.„
„Wer war es?„ fragte Inge ein weiteres Mal und verlieh ihrer Frage dieses Mal mit einer Pistole, die sie aus ihrer Handtasche gezogen hatte, Nachdruck.
„Was willst du denn damit?„ fragte Hans mit geweiteten Augen.
„Antworte!„ befahl ihm Inge.
„Nun gut, es war ein, ein, äh, ein Geist.„
„Sehr lustig. Tolle Ausrede,„ meinte Inge und schoß Hans eine Kugel zwischen die Augen, bevor sie sich die Pistole in den Mund steckte und ein weiteres Mal abdrückte.
Und fernab in einer Sennhütte freute sich ein Geist über seine Genialität, die es ihm ermöglicht hatte, innerhalb eines Jahres seine Strafe, die über 70 Jahre anhielt, zu beenden und endlich ins Reich der Toten einzugehen.


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